inhalt hintergrund trailer filmvorführungen galerie mitwirkende dvd links filmkritik

Ein Wort der Filmemacher_Innen

Als sich im Sommer 2010 drei Iraner unabhängig voneinander in den Hungerstreik begeben, erfährt zunächst niemand etwas davon. Isoliert in den jeweiligen Asylheimen und ohne tragende Netzwerke, bleibt es vorerst ein einsamer und leiser Hilfeschrei. Als sie von der Besetzung der Kleinen Schanze, einem Park in der Nähe des Bundeshauses in Bern, durch die Bleiberechtsbewegung erfahren, begeben sie sich dorthin und lernen einander kennen. Nicht mehr alleine sein, gehört und wahrgenommen werden – so ihre Hoffnung. Nach einer Woche wird die Besetzung aufgelöst, die Hungerstreikenden bleiben zurück und werden von der Polizei mitgenommen. Farhads Gesundheitszustand ist nach 35 Tagen Hungerstreik kritisch und der Körper und die Psyche aller geschwächt. Hunderte von Medienschaffenden und Dutzende PolitikerInnen werden angeschrieben. Niemand zeigt Interesse, keine Antwort, keine Fragen – nichts. Versuche, in die Öffentlichkeit zu treten, scheitern. Vor dem Bundeshaus sitzen ist verboten. Einmalig erscheint eine kurze Mitteilung auf der Homepage von DRS – „Hungerstreik auf dem Bundesplatz verhindert. Die Berner Kantonspolizei hat am Montag auf dem Bundesplatz in Bern drei Männer angehalten, die vor dem Bundeshaus ihren Hungerstreik fortsetzen wollten.“ Angehalten heisst hier abgeführt. Verhindert heisst taubstumm gemacht.
Unser Film entstand aus diesem Unbehagen heraus. Einem Unbehagen den bürgerlichen Massenmedien gegenüber – einer Medienlandschaft, die nicht erlaubt, was nicht konform ist. Konform sein ist eins sein, ist einig sein, ist unterwürfig sein ...

Dieser Dokumentarfilm ist keiner, der für sich den Schein von Objektivität beansprucht. Uns liegt nichts daran, "Spezialisten" oder "Fachmenschen" zu interviewen, um zu "verstehen". Auch brauchen wir keine Chefredakteure, die uns sagen, was wichtig ist, was die Menschen vermeintlich hören und sehen wollen. Vielmehr sind die Protagonisten von "kein Mensch ist illegal" selbst Spezialisten ihres eigenen Lebens und sagen uns, was SIE zu sagen haben. Unverblümt, unzensiert und nicht diplomatisiert... erzählen sie informativ, subjektiv und durchaus auch verpönt normativ. Den Zuschauer_innen wird überlassen, was sie davon denken, davon halten sollen. Wir ergreifen jedoch klar Partei. Warum Menschen gehen und ihre Länder verlassen ist vielschichtig und komplex, bedarf unserer Ansicht nach aber keiner Legitimation durch Staaten, die zum Teil dazu beitragen, dass Menschen nicht nur gehen wollen, sondern auch gehen müssen. Was uns jedoch zentral scheint, ist die Frage was diese Gesellschaft hier mit den Menschen von "dort" macht...

 

Unsere Stimme

Uns langt’s! Die Heime sind zu trist, die Idylle auf dem Land erstickt uns, die Zentren in der Stadt erdrücken uns – andauernde Kontrollen auf der Strasse, im Heim, beim Tram fahren. Die humanitäre Tradition ist ein Schein, ganz im Gegensatz zu unserem Sein. Unser Leben wird kontrolliert, organisiert und wir werden ständig transferiert. Unser Leben wird gelenkt und ertränkt. Nichts ist planbar, die jungen Jahre – ungenutzt. Politischer Flüchtling, Wirtschaftsflüchtling – kein richtiger Flüchtling, was ist ein Flüchtling? Ihr seid Abenteurer wenn ihr geht, wir sind Schmarotzer wenn wir kommen. Unsere Geschichten verstören euch – eure Praxis verstört uns. Ihr habt uns genug kommandiert, unsere Gedanken bewertet, begutachtet, kritisiert, kommentiert und kontrolliert – unsere Vergangenheit obduziert! Ihr macht uns klein, macht uns ein, und wenn ihr spendet – von was macht ihr euch rein? Habt Angst um euren Wohlstand der auch unsere Arbeit ist. Wir, die billige Arbeitskraft, dort wie hier – ihr die Wohltäter jetzt und hier. Ihr schliesst euch ein, eure Festung Europa soll rein sein – von den dummen, den Verdammten-Islamisten – und kein Wort über Faschisten und Kolonialisten.
Euer IHR und WIR ist nicht unser wir und ihr. Für euch sind wir DIE ANDEREN, ihr seid DIE EINEN. Ihr der Westen, wir der Osten – der Süden – das Dunkle, die Tiefe. Begrabt euer Unbehagen, auch ihr seid wir und wir sind ihr – gekonnt kontrolliert und rationalisiert  werden uns ALLEN die Fressen poliert.
Wir wollen uns nicht gleichmachen, wir wollen uns auf machen...